Mittwoch, 25. Mai 2016

Es kommt Bewegung in die Sache

Die letzten zwei Tage standen bei uns ganz im Zeichen der Erholung und der Beobachtung der Beere nach ihrem erfolgreichen Gaumenspaltverschluss. Da die Dame dabei aber mal wieder alle Erwartungen die die Ärzte, Schwestern und nicht zuletzt wir selbst an sie hatten total unterlaufen hat, kommt, wie der Titel schon sagt, Bewegung in die Sache.

Die Gaumenspalte ist zwar jetzt verschlossen, aber im Mundraum der Beere ist natürlich noch eine Wunde samt Naht vorhanden, was das Gesabber an den letzten Tagen immer wieder leicht blutig machte. Diese Einfärbung ist aber zusehends weniger geworden und jetzt quasi schon nicht mehr vorhanden – ein Zeichen dass die Wundheilung richtig gut funktioniert. Schmerzen deswegen scheint die Beere keine nennenswerten zu haben, sie bekommt aber auch immer wieder einmal ein paar Schmerzmittel verabreicht, deren Frequenz zunächst reduziert, und heute schon auf "nur bei Bedarf" eingestellt wurde. Die größten Probleme – und das ist mehr als nachvollziehbar – schien am ersten Tag nach der OP das veränderte Gefühl im Mundraum zu sein, die Beere musste des Öfteren ein bisschen würgen und spucken. Heute dagegen scheint sich das vorwitzige Beeren-Züngchen, das wir noch nie so oft gesehen haben wie bei unserem Aufenthalt hier, an die geänderten Platzverhältnisse gewöhnt zu haben.

Bei unseren Nachsorgeterminen in der Zahn-Mund-Kieferklinik war unsere betreuende Ärztin sehr, sehr zufrieden mit dem Heilungsverlauf und mit dem Gesamteindruck den unsere Tochter dort hinterlassen hat. Andere Kinder seien wohl in diesem Stadium nach einer vergleichbaren Operation noch weit quengeliger, wieder einmal hat die Beere uns, und das anwesende Fachpublikum, sehr verblüfft. In Rücksprache mit dem Operateur, den wir auch kurz getroffen haben, will sich die Ärztin vermutlich dafür aussprechen, dass wir eventuell schon morgen entlassen werden können, einen Tag vor dem prognostizierten Standardentlassungstag. Wir können dem Plan uns frühzeitig in Bewegung gen Heimat zu setzen nur aus vollem Herzen beipflichten, denn wenn man das Beerchen momentan erlebt, müsste man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass die letzten Tage nie stattgefunden haben.
Ich. Will. Dein. SMARTPHONE!!!
Auch die Beere selbst treibt diesen Plan aktiv voran, denn heute morgen hat sie sich beim Herumtoben vermeintlich ihren zentralen Venenzugang gezogen, über den bisher noch Antibiose und Schmerzmittel liefen. Da sie aber anscheinend der Meinung ist dass es auch ohne geht (gehen muss), wurde auf eine orale Therapie umgestellt, die wir natürlich auch perfekt zu Hause zu Ende bringen können.

Bewegung kommt aber nicht nur sprichwörtlich in unseren Aufenthalt hier, auch ganz praktisch hat heute jedes anwesende Mitglied der Beerenfamilie seine Portion Bewegung bekommen. Während ich z.B. gerade diese Zeilen am Nachmittag verfasse, läuft die Mausbeerenmama in ein nahegelegenes Stadtteilzentrum um bei einem dortigen Edeka ein paar kleine Dankeschöns für die Station zu besorgen, die man sich durch die liebevolle und kompetente Betreuung mehr als nur verdient hat.
Ich selbst durfte mich heute eine Stunde im Rehasportbereich der MHH auf einem Fitnessrad auspowern, eine wirklich glückliche und spontane Fügung: Auf der kinderkardiologischen Station auf der wir momentan quasi als Gäste untergebracht sind, und auf der leider naturgemäß manch kleiner Patient mit seinen Angehörigen viel Zeit verbringen muss, gibt es das Angebot "Eltern brauchen Kraft!", bei dem Eltern regelmäßig im Sportmedizinischen Institut mittrainieren dürfen, um wieder aufzutanken und Kraft und Energie für die größeren und wichtigeren Dinge des Lebens zu schöpfen. Ermöglicht wird diese Kooperation über den Verein "Kleine Herzen Hannover e.V.", dem mein besonderer Dank und meine Hochachtung für ihre Arbeit gilt. Die ganze Aktion war, wie bereits gesagt, sehr spontan, um 10.30 Uhr kam zufällig die Sozialbetreuerin der Station ins Zimmer, die ich auf die Möglichkeit einmal zu trainieren angesprochen habe. Um 10.45 hatte ich den eilig vorbei gebrachten Gesundheits-Fragebogen der Sportmediziner ausgefüllt und stand mit einer geliehen LILA!!! Jogginghose der Beerenmama in der Sporthalle, dafür aber ohne Handtuch und Wasserflasche. Irgendwie musste alles zu spontan sein, denn mittwochs ist der letzte Termin in der Woche, und dann auch nur bis mittags. Nach einem kurzen Gespräch mit einer sehr netten Sportmedizinerin durfte ich aber gleich starten, und konnte dann ab 11 Uhr, keine halbe Stunde nach der ersten Anbahnung, meine virtuellen Runden durch Hannover drehen.
Kommt man gut bei ins Schwitzen. Insbesondere aus Angst mit dieser Hose gesehen zu werden.
Last but not least bestand die Bewegung des Beerchens, neben ausgiebigen Dauer-Lachanfällen und Im-Bett-Herumkugeln außerdem noch in einer kurzen Stehübung als die Wickelunterlage im Bett gewechselt werden musste. Dabei ist das folgende drollige Foto einer wunderbaren Standardtanzhaltung entstanden:
Und wer führt…?

Kommentare:

  1. Ich würde spontan behaupten, die Mausbeere führt. Bei ihrem eigensinnigen Kopf und Durchsetzungsvermögen. :)

    Im übrigen... Klasse, das ihr mal wieder eine solch tolle Überraschung erleben durftet!

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    1. Ja, in den meisten Fällen führt die Beere tatsächlich, nämlich, erstens, das Kommando, zweitens, uns auf Glatteis, und drittens, uns an der Nase herum ;-) Beim Tanzen konnten wir uns dank gemeinsamer Talentfreiheit nicht richtig einigen.

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