Sonntag, 26. Oktober 2014

Yeah, Nachtwanderung! oder: Warum Redundanz verdammt nochmal so sch*** wichtig ist!

Über den gestrigen Tag könnte man ein paar Dinge bloggen, z.B. die Fahrt nach Lübeck, den ersten Stadtbummel, die schöne Altstadt im (Halb-)Dunkel, ein leckeres Abendessen. Man könnte Fotos vom Holstentor zeigen (mit und ohne Beere), oder auch Fotos von leckerem Marzipan in kunstvollen Formen.

Mach ich aber nicht! Zumindest noch nicht. Ätsch!!!

So richtig begann der Tag nämlich erst um ca. 23.00 Uhr so richtig interessant zu werden, als wir mit Schrecken feststellen mussten, dass der Schlauch, der die die Absaugpumpe für das Tracheostoma mit den Kathetern verbindet, die letztendlich in die Trachealkanüle geführt werden um den Schleim abzusaugen, fehlte! Der Schlauch muss sich irgendwo in der Altstadt von der Pumpe gelöst haben und verlustig gegangen sein. Wir haben ja fast alles zwei- bis dreifach dabei, nur das Teil eben genau nicht. GAU! Zur Zeit muss halt doch in der Nacht immer mal wieder abgesaugt werden, ohne Verbindungsschlauch geht das aber nicht.

Also war das Motto für das Beerchen: Jacke über der Pölter, wir machen eine Nachtwanderung! Yeah! Ab ins Auto und einmal zum wahrscheinlichsten Ort des Verlustes gefahren, da lag aber kein Schlauch. Auch der Anruf im Steakrestaurant ergab keinen gefundenen Schlauch. Daher, letzte beste Möglichkeit, ab in die Kindernotaufnahme des Uni-Klinikums auf der anderen Seite der Stadt um noch einen Ersatzschlauch zu bekommen.

Da für den Moment aber kein Grund zur Sorge bestand (die Dame hatte das Sprechventil drauf, mit dem Sekret heruntergeschluckt werden kann), waren wir alle noch ganz entspannt bei der Sache. Wer hat die ganze nächtliche Aktion aber so richtig genossen? Genau, die Mausbeere! Sie hat in ihrer Karre oder ihrem Kindersitz gesessen, all die schönen nächtlichen Lichter betrachtet und breit vor sich hin gegrinst. Trotz vorgerückter Stunde kein Anzeichen von Müdigkeit, muss man ja schön genießen, wenn man mit Mama und Papa mal eine Nachtwanderung machen darf.
Check, wieder eine Kinderklinik auf meiner Liste abgehakt.
Und die habe ich auch noch ganz für mich allein!
In der Notaufnahme hat uns ein sehr freundliches Team dann auch gleich ganz unbürokratisch weitergeholfen, auf der Station auf die die Mama geschickt wurde während ich mit Beerchen in der menschenleeren Halle des Kinderklinikums warten durfte, haben wir dann zwei niegelnagelneue XXL-Schläuche bekommen, die wir wie unsere Augäpfel bis ins heimische Hotelzimmer gehütet haben.
Ein großer Dank an alle dort!
Das Objekt der Begierde, Preis für eine besondere Nachtwanderung
Ein Gutes hatte die Sache dann auch noch, wir kennen zumindest schon einmal den Weg den wir Montag fahren müssen. Außerdem sind wird noch sensibilisierter geworden, auch das Unwahrscheinliche in unsere Planungen einzubeziehen. Denn, nach Murphy: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Ein Motto, dass gerade mir als Webentwickler nicht fremd ist, habe ich mich doch – ungelogen – gerade diese Woche intensivst mit der Redundanz (Mehrfachverfügbarkeit) der Server für die Webseiten meiner Firma beschäftigt. Denn: Der nächste Crash kommt gewiss! Und irgendetwas dabei ist anders als in allen Testläufen zuvor.

Unser Ratschlag an alle Eltern von Kindern die besondere Planungen erforderlich machen: Nachdem Ihr alle offensichtlichen Dinge bedacht habt, werdet kreativ und versucht Euch ungewöhnliche Szenarien vorzustellen! Und, vorbereitet? ;-)

Kommentare:

  1. Hallo ihr,


    ich musste wirklich schmunzeln, als ich diesen schönen Bericht gelesen habe. Also - es tut mir natürlich leid, dass ihr so einen Schrecken bekommen habt - aber, ich kann den letzten satz einfach nur unterstreichen.... man macht sich ja über Sachen Gedanken, die "normale" Eltern niemals nicht denken müssen.... hat aber auch sein Gutes: ich war früher echt schusselig, meine Mama hat immer gesagt, dass ich los bin wie ein Friseur (also irgendwie nix geplant, nix mitgenommen). Das hat sich Dank Hannes wirklich geändert und ich bin....meist... gut vorbereitet ;)

    Viele Grüße von Jana und Hannes (schon wieder aus Hamburg, wo außerplanmäßig operiert werden muss (*grummel*)

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    1. Oh ja, so ein durch ein besonderes Kind wird man zwangsweise echt (mehr oder weniger) durchorganisiert. Obwohl man seine Schusseligkeit dann in anderen Bereichen "auslebt" ;-)

      Wir wünschen gute Besserung!
      Liebe Grüße,
      Steffi, Olli und die Mausbeere

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