Mittwoch, 13. Juli 2016

So tun, als ob

Seit einigen Wochen tut die Mausbeere nun schon so, als ob sie gar kein Tracheostoma hätte. Wie bereits erwähnt, kommt sie absolut super rund um die Uhr mit den Tracheostoma-Käppchen klar, die die Trachealkanüle komplett verschließen. Das hat zur Folge, dass die Dame komplett durch Mund und Nase atmet - ebenso wie Leute ohne Tracheostoma. Unserer Meinung nach hat das einige Vorteile gegenüber dem Sprechventil, da die eingeatmete Luft auf natürlichem Wege durch die Nase gefiltert und angefeuchtet wird und somit der Einsatz der feuchten Nase in der Nacht überflüssig wird, bei der ja komplett durch die Trachealkanüle ein- und ausgeatmet wird. Dabei besteht ja zum einen der Nachteil, dass man des öfteren Sekret absaugen muss, zum anderen fehlt bei der Atmung per feuchter Nase der natürliche Druck auf den Lungen (auch Peep genannt), der ein vernünftiges Abhusten von Sekret ermöglicht. Wenn also keine Gründe wie angestrengte Atmung oder gar Verkrampfung der Rachenmuskulatur dagegensprechen, bevorzugen wir auf jeden Fall diese natürlichste Form der Atmung.
Jetzt war es leider so, dass die am Freitag schon beginnende Erkältung sich übers Wochenende noch so richtig entwickelt hat und das Beerchen sich mit leichtem Fieber und ordentlich viel Rotz herumplagen musste. Am Montag war es immer noch nicht besser und das Kind sichtlich unzufrieden, weswegen wir erstmal zum Kinderarzt gefahren sind. Der musste der Dame leider wieder mal ein Antibiotikum verordnen, da zu der Erkältung noch ein bakterieller Infekt gekommen ist. Das Mittel hat zum Glück recht schnell angeschlagen und das Fieber war am Abend schon wieder verschwunden, was die allgemeine Stimmung des Beerchens deutlich verbessert hat. Die üblichen Erkältungsbeschwerden wie Nasenrotz und Husten brauchen natürlich ein paar Tage, bis sie wieder besser sind und wie üblich benötigt die Dame in solchen Fällen eine Winzigkeit Sauerstoff. Interessanterweise ist trotz des vielen Schleims im Beeren-Näschen die Atmung durch selbiges nicht großartig behindert, weswegen nichts gegen die weitere Verwendung der Tracheostoma-Käppchen spricht. Jetzt stellte sich nur die Frage, wie wir den Sauerstoff ins Kind bekommen sollten, da wir die oben genannten Vorteile gerade jetzt, wo vernünftiges Husten extrem wichtig ist, nicht durch die Verwendung von Sprechventil oder feuchter Nase, an die man ja den Sauerstoff einfach anschließen kann, wieder verlieren wollten. Dazu wollten wir der Beere erst wie in Prä-Tracheostoma-Zeiten ein kleines Schläuchlein in die Nase schieben, was sie sich jetzt allerdings überhaupt nicht mehr gefallen lassen hat. Also haben wir der Beere eine stinknormale Sauerstoffbrille verpasst, wie sie bei Leuten ohne Tracheostoma Verwendung findet und die wir glücklicherweise noch zu Hause vorrätig hatten. Diese hat sie zum Glück auch recht schnell akzeptiert, und sich ohne besonders viel Gegenwehr auch noch zwei der süßen Herzchen-Pflaster auf die Bäckchen kleben lassen, die der Papa damals in mühevoller Massenproduktion ausgeschnippelt hatte und von denen wir immer noch reichlich vorrätig hatten (interessanterweise waren diese Pflaster ja gerade erst im Rahmen unseres Blogparaden-Beitrages zum Thema "Irgendwie anders" thematisiert worden).
Sauerstoffbrille und Tracheostoma-Käppchen
Obwohl die Dame früher diese Herzchen-Pflaster dauerhaft ohne Probleme vertragen hat, zeigten sich nun nach nur einer Nacht dauerhaft rote Flecken (in Herzchen-Form) auf den Bäckchen. Keine Ahnung, ob die Haut der Mausbeere empfindlicher geworden ist, oder ob der Kleber einfach schon zu alt war und "umgekippt" ist - jedenfalls haben wir für die folgenden Sauerstoffgaben eine andere Befestigungsmöglichkeit überlegt. Der Schlauch wurde jetzt hinter den beiden Beeren-Öhrchen entlang geführt und unter dem Kinn mit einer dafür vorgesehenen Schlaufe fixiert, was sich die Dame erstaunlicherweise auch gefallen lassen hat. Dazu mag es auch hilfreich gewesen sein, dass wir die beiden Nasenhörnchen, die sie etwas genervt hatten, abgeschnitten haben, so dass der Sauerstoff nun aus einem großflächigen Loch aus dem Schlauch herauskommt. Glücklicherweise benötigt die Beere das Zeug nur im Schlaf, denn im Wachszustand würde diese Konstruktion vermutlich nicht besonders lange halten:
Eine etwas bequemere Befestigungsart.
Für das gelegentliche Nachmittagsnickerchen, oder kurz vorm Schlafengehen am Abend genügt meistens auch schon, das lose Ende des Sauerstoffschlauches irgendwie vor die Beeren-Nase zu legen bzw. zu hängen und die Zufuhr etwas mehr aufzudrehen. Mit dieser "Sauerstoffdusche" kommt auch noch genug an, um eine vernünftige Sättigung zu gewährleisten:
Sauerstoffdusche...
...mit interessanter Befestigung.
Der einzige Fall, in dem wir bei dieser Erkältung wirklich noch die Trachealkanüle benutzt haben, war die Inhalation von Medikamenten per Dosieraerosol (also diese Püster, die man z.B. öfter bei Asthmatikern sieht), denn das Zeugs soll ja wirklich direkt in die Lunge kommen. Die Feuchtinhalation mit Kochsalz zur Befeuchtung der Atemwege erfolgte allerdings wieder "obenrum", denn auch dem verschnupften Näschen tut ja etwas Meeresklima durchaus gut:
Inhalieren ist ja sooooo langweilig, da muss ich mal telefonieren...

Kommentare:

  1. Respekt! Trotz Infekt normal atmen... Genial!
    Naja und das bisschen Sauerstoff das bräuchte wohl jeder, der bis dahin immer wieder so Probleme mit der Sättigung etc. gehabt hat.

    Müsst ihr die Beere eigentlich oft absaugen, wenn sie einen Infekt hat? Oder ist das durch die normale Atmung gar nicht nötig?

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    1. Wir sind auch total glücklich, dass sie trotz fieser Schleim-Monster so super mit der Nasenatmung klarkommt! Und mal ehrlich, welcher Mensch mit "Normalsyndrom" misst bei einer Erkältung schon seine Sauerstoffsättigung. Vielleicht wären selbst da die Werte nicht ganz optimal :-)

      Mit Käppchen, also bei normaler Atmung, muss die Beere gar nicht abgesaugt werden, weil das ganze Sekret dann komplett mit der Atemluft an der Kanüle vorbeigeht. Nur wenn wir das Käppchen zum inhalieren abnehmen, ist mal absaugen nötig. Als wir im letzten Jahr mal einen Infekt nur mit feuchter Nase mitgemacht haben, stand die Absaugpumpe gefühlt gar nicht still und wir waren so ca. bei 80-100 Absaugvorgängen am Tag, wenn ich mich recht erinnere :-/

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    2. Oha, das hört sich wirklich übel an. Also das ihr so oft absaugen musstet.
      Zum Glück ist das nun vorbei. :) Ich fand das Absaugen immer sehr, sehr unangenehm. Hab mich immer gewehrt bis ich gemerkt habe, das es mir hilft und mir damit besser geht. Aber ätzend blieb es trotzdem.

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